Goldentime

Sonstige Sealed With A Kiss

Dieses Thema im Forum "Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Berlin" wurde erstellt von Elskhuga, 11. September 2020.

  1. Elskhuga

    Elskhuga Zenturio

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    Widmungen
    Für einen geschätzten Kollegen, der gerade ganz unabhängig von Corona eine schwere Zeit durchmacht. Ja, es ist schier unglaublich, dass es immer noch Songs aus der Kehle von Jason Donavan gibt, die ich noch nicht für ein Stück Fickprosa verwurstet habe... :cool:

    Für einen weiteren geschätzten Kollegen, dem ich eine unverhoffte Wiederbegegnung und noch viel mehr zu verdanken habe. Eine frühe Fassung dieser Geschichte trug tatsächlich den Titel *Ona jest taka cudowna* - Du weisst oder wirst wenigstens ahnen, für wen allein ich diese Zeilen wählen würde.

    Last, but not least: Ich danke meinem Lektor, der mich bei der Veröffentlichung dieses Textes unterstützt und beraten hat. Ich hoffe, Du behältst nicht recht... :cool:


    Vorwort

    Das hier wird... Eine kleine Geschichte, die unterhalten soll, nicht mehr.

    Das hier ist... Eine kleine Geschichte, kein Erfahrungsbericht. Keine Telefonnummern, keine Namen, nichts, was irgendeinem hier helfen würde, meine Tagträume nachzuvollziehen. Ich hab sie hier, unter Saunaclubs Berlin, eingestellt, die Geschichte hat einige wenige Bezüge auf das Artemis und vielleicht findet sie ihr Ende auch ebenda - aber wenn meine kleine Geschichte an anderer Stelle besser aufgehoben sein sollte, werden die Admins sich bemerkbar machen, denke ich ;)

    Tagträume? Natürlich. Es müssen Tagträume sein, schließlich wurde und wird in Berlin und anderswo in diesem unseren Lande über lange Monate hinweg und teils immer noch das Nordische Modell praktiziert: Prostitutionsverbot, Freierbestrafung :mad:. Wer macht sich schon gern strafbar? Ich nicht. Ich träume lieber, und schreibe auf, was ich geträumt habe.

    Ich träume, Tag für Tag, Nacht für Nacht. Noch immer habe ich nicht ausgeträumt. Ich beginne diese Geschichte, doch ich kenne ihr Ende noch nicht, glaubt es oder lasst es. Noch habe ich nicht ausgeträumt...


    Sealed With A Kiss
    oder:
    Ein ehemaliger Artemiskämpen träumt von MySugarDaddy


    02. Mai 2018, Gehöft.
    Corona. Lockdown. Prostitutionsverbot.

    Yes it's gonna be a cold lonely summer,

    but I'll fill the emptiness:
    I'll send you all my dreams every day in a letter,

    sealed with a kiss...

    Ich schau auf mein Handy. Das Nuttenhandy liegt dieser Tage oft unbeachtet tagelang in der Ecke. Ein verpasster Anruf… ach Du Gott, frühmorgens am Maifeiertag kurz vor neun? Ich entscheide, dass es sich um was Dringendes handelt. Ich rufe zurück. Ich rufe Huren nur sehr, sehr selten zurück.
    „Wann sehen wir uns wieder?“
    „Keine Ahnung.“
    „Aber vielleicht machen Clubs erst im September auf. Ich hab nicht gedacht, dass es so lange dauert.“


    Ja, vielleicht. Im September.

    I don't want to say goodbye, for the summer,

    knowing the love we'll miss.
    So let us make a pledge to meet in September,
    and seal it with a kiss.

    So machen wir das.

    Du wirst es überleben, irgendwie, und ich auch. Jeder von uns auf seine eigene Weise. Im September sehen wir uns wieder.

    Vielleicht.


    10. Mai 2020, MySugarDaddy.
    Genau das brauche ich jetzt. Dieses ewige Daheimhocken geht mir auf den Sack. Mal wieder mit einer attraktiven Frau ausgehen, mit ihr Sex haben, und ihr am Morgen danach „Lebewohl!“ oder „Auf Wiedersehen!“ wünschen, jenachdem. Und außerdem: hatte ich nicht im Internetz irre Stories über die Bräute gelesen, die man für ganz wenig Kohle bei MSD aufreißen kann?


    12. Mai 2020, MySugarDaddy.
    Ohne Kohle zu investieren, komme ich hier nicht weit. Um ehrlich zu sein: Ich komme nicht nur *nicht weit*, ich komme *keinen einzigen Schritt* vorwärts. Ich hab ein paar Fotos eingestellt, echte Fotos, nur ein bisschen bearbeitet, und ich hab mir Mühe gegeben mit meinen Texten. Interessiert die Sugarbabes nicht die Bohne. In meiner Ecke Deutschlands ist die Nachfrage nach Sugardaddies noch dazu ausgesprochen klein. In Berlin oder Hamburg sieht das allerdings schon anders aus. Hm… was soll’s. Ich gönne mir mal den VIP-Account für einen Monat und ziehe außerdem virtuell nach Berlin um. Schweren Herzens löhne ich 59,99 Euro: das wäre im Artemis schon fast der Tarif für eine Billignummer. Ich bekomme 50 Credits, mit denen ich insgesamt 10 Chats eröffnen kann, die laut FAQ jeweils einen Monat offen bleiben. Ich werde haushalten müssen mit den Credits.


    14. Mai 2020, MySugarDaddy.
    Noch hab ich meine 50 Credits zusammen. Ich hab in den letzten Tagen halbwegs gelernt, die zahlreichen Fakes und Bots von den echten Menschen zu unterscheiden. Fakes sind lebendige Arschlöcher, und Bots die elektronische Variante davon. Zudem gibt es noch, da wette ich die berühmten drei Silberdollar, moderierte Profile. Bots und Moderatoren werden vom Betreiber eingesetzt, um mich zum Ausgeben der teuer bezahlten Credits zu verleiten - bei meiner Monatsmitgliedschaft hat einer dieser Credits einen Gegenwert von 1,20 Euro. Will ich eines der Sugarbabes anschreiben, kostet mich das als VIP fünf Credits, also 6 Euro. Man gönnt sich ja sonst nichts, und heute gönne ich mir das.

    Ich schreibe an eine Grazie, die halbwegs aus meiner Gegend stammt. *Sie* ist, wenn sie nicht doch ein *Er* ist, vermutlich übergewichtig und nicht mein Typ. Aber irgendwie muss ich ja anfangen.

    Ich schreibe an eine Grazie, die vorgibt, Polin zu sein und sich auf ihren Profilbildern auch nicht versteckt. Cleveres Mädchen: ein paar Fotos können alle Männer sehen, und ein paar sind nur für VIP’s sichtbar, wie ich jetzt einer bin.

    Die übergewichtige Grazie hatte mir ein paar Tage zuvor ein paar Küsse geschickt, darauf hatte ich mich in meiner Nachricht bezogen. Eine knappe halbe Stunde, nachdem ich meinen Sermon abgesetzt habe, meldet sie sich. Immerhin.

    Wir schreiben bis Mitternacht, ungefähr. Kann natürlich sein, dass ich einem Fake aufgesessen bin, aber ich bin mir meiner Sache doch *recht sicher*. Gegen Mitternacht verabschieden wir uns, ich fühle mich gut unterhalten. Forciert hab ich den Kontakt im Anschluss nicht. Und ich selbst war wohl nicht attraktiv genug, um ihr einen weiteren Kontakt wert zu sein. Egal.

    Die Grazie, die vorgibt, Polin zu sein, braucht nur fünf Minuten für eine Antwort:

    Danke für diese interessante und persönliche Nachricht von Dir...

    Man gibt sich halt Mühe. So schreibe ich mit zwei Sugarbabes gleichzeitig bis gegen Mitternacht. Die Polin ist echt, da bin ich nicht nur *recht sicher*, da bin ich *absolut sicher*, und sie meint es ernst.

    Wir können telefonieren. Und etwas planen.

    Zwischendurch ist sie immer mal wieder raus aus MSD, aus welchen Gründen auch immer. Die Aufforderung, die sie mir kurz nach Mitternacht schickt, lese ich erst am nächsten Morgen:

    Könntest du mich deine Nummer lassen???

    Ich könnte.

    *** Fortsetzung folgt ***
     
  2. Elskhuga

    Elskhuga Zenturio

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    *** 1. Fortsetzung ***

    15. Mai 2020, Homeoffice.
    Ein paar SMS gehen hin und her, am frühen Nachmittag klingelt das Telefon. Die Polin ist echt, und die Polin ist auch eine echte Polin - das erkenne ich am Akzent und beispielsweise an der Art, wie sie Datumsangaben im Deutschen bildet. Eine gute halbe Stunde reden wir miteinander, beschnuppern uns sozusagen. Wirklich Erfahrung mit dem, was sie hier tut, hat sie nicht, ist so mein Eindruck. Nun, da geht es ihr nicht anders als mir.

    Sie hätte Glück, erzählt sie mir, sie würde hier viele Freischaltungen bekommen - so nennt man es bei MSD, wenn man in einen Chat gebeten wird. Erst im Chat kann man Telefonnummern oder Addys austauschen und dann unabhängig von MSD miteinander kommunizieren. Ich wäre eine seltene Ausnahme, erklärt sie mir: viele Männer wollten endlos texten, aber um keinen Preis der Welt telefonieren. Ich hätte gleich ohne Zögern meine Nummer herausgerückt… Das hat sie wohl beeindruckt.

    Mädchen, ich meine es ernst. Mädchen, ich weiß was ich will. Und wenn ich das, was ich will, von einer Polin bekommen kann… :rolleyes:

    Wir sind uns halbwegs einig darüber, wie es weitergehen soll. Kennenlernen, und dann wird man sehen. Passt.


    16. Mai 2020, MySugarDaddy.
    Ein Profil von einer fetten und nicht wirklich attraktiven Berlinerin Mitte 50 fällt mir auf. Die Frau reitet auf einem ziemlich hohen Ross, finde ich - immerhin will sie wohl auch fett Kohle für ihr Wirken als Sugarbabe sehen.

    Einladungen auf einen Kaffee lehne ich grundsätzlich ab.... Entweder Du hast Interesse daran, mich kennenzulernen oder nicht. Ich möchte mich für einen Mann hübsch machen und mich auf ein Date freuen und mich nicht 'beschnuppern' lassen... Wenn Du mich in diesen Zeiten persönlich kennen lernen möchtest, freue ich mich darauf, von Dir erobert zu werden.

    Madam Susanne reitet auf einem hohen Ross. Madam will sofort ausgeführt werden. Oha. Na, da kann ich nicht an mich halten. Dieses Profil ist echt, und es ist mir auch die fünf Credits wert. Ich geb ihr Kontra. Und bin sofort, nachdem sie meine Nachricht gelesen hat, gesperrt. Du mich auch, Süsse. Gern kreuzweise :D.


    18. Mai 2020, Homeoffice.
    Der Polin hatte ich erzählt, dass ich Ende Mai vermutlich in Berlin zu tun hätte. Bei der Gelegenheit könnte man sich treffen und beschnuppern. Ganz unverbindlich gemeinsam ein Käffchen schlürfen oder zwei und ein Teilchen verzehren oder zwei. Völlig überraschend hatte sie damit kein Problem - ganz anders als die Fette Susanne. Der Polin geht das im Gegenteil alles wohl nicht schnell genug… sie hakt nach.

    Schreib mir bitte ... wann du in Berlin sein könntest.
    Ich hab kein Problem damit, ihr reinen Wein einzuschenken: Es bliebe bei dem genannten Termin, und es wäre angesichts der Unwägbarkeiten, die die Pandemie nun mal mit sich brächte, keinesfalls sicher.

    Ihr passt das nicht, das lässt sie mich spüren. Tja. Entweder Du lässt es, oder Du lässt Dich darauf ein.


    19. Mai 2020, MySugarDaddy.
    In der Desktopvariante von MSD laufen immer die Profilbilder der Sugarbabes an der Seite durch. Aus dem Augenwinkel… Moment, die da kenne ich doch aus dem Arte?

    Ich zögere nur kurz. Fünf Credits? Geschenkt. Bei ihr weiß ich wenigstens, dass sie erstens echt ist und ich zweitens nicht um den heißen Brei herumreden muss. Die will keinen Sugardaddy, die will arbeiten. Ihre Antwort braucht eine gute Stunde.

    - Wer bist du, der mich neugierig gemacht hat?

    - Wir waren nie auf Zimmer.

    Sie ist es. Ich verklickere ihr, dass ich in der kommenden Woche in Berlin sein würde, und weiß genau, wie das bei ihr ankommt: Wieder einer mehr von denen, der sich am Rechner auf mein Bild einen runterholt.

    Stimmt nicht. Erstens sind ihre Bilder nicht wirklich sexy, und zweitens hab ich einen Plan. Wenn ich denn meine Polin hinreichend beschnuppert habe, könnte ich ja das Mädel aus dem Arte daten…


    25. Mai 2020, Homeoffice.
    Die Idee war, mich in meinem Lieblingscafé in Berlin mit der Polin zu treffen - ich denke, ich sollte ihr mittlerweile einen Namen geben: Danuta. Also, Käffchen mit Danuta. Ich ruf sogar extra in meinem Lieblingscafé an: doch, man habe schon geöffnet, und reservieren müsste ich sicher nicht, der Andrang hielte sich doch sehr in Grenzen. Aber Danuta durchkreuzt meine Pläne.

    Am Mittwoch habe ich einen Termin um 16 Uhr.
Es wäre besser vor dem Termin... wenn es Dir passen würde. Vielleicht ein Mittagessen zusammen?

    Von mir aus auch das. Und wenn Danuta mit mir zu Mittag essen will, dann könnte die Kollegin aus dem Arte das Dessert sein. Das schreibe ich meinem potentiellen Dessert gleich mal.

    - Ich bin am Mittwoch in Berlin.

    - Perfekt.
Treffen wir uns?

    - Wenn es passt?

    Es passt. Wer hätte das gedacht :cool:.

    *** Fortsetzung folgt ***
     
  3. Elskhuga

    Elskhuga Zenturio

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    *** 2. Fortsetzung ***

    27. Mai 2020, Berliner Süden: Das Mittagessen.
    Ich komme mal wieder später daheim los als geplant, doch glücklicherweise sind die Straßen halbwegs frei, es geht gut voran. Auch die lästige Baustellenrallye auf der A24 absolviere ich… nun, sagen wir: flott :cool:.

    Kurzer Boxenstopp am Linumer Bruch, dann weiter. Ich hab den Turbo kaum auf die Autobahn gelenkt, da schellt das Telefon. Das Nuttentelefon. Kann nur Danuta sein. Mist, ich hab das Nuttentelefon natürlich nicht mit dem Freisprech gekoppelt. Will sie jetzt noch absagen? Ich hab schon Pferde vor der Apotheke…

    Im Parkhaus vom Hotel kann ich sie endlich zurückrufen. Mir fällt ein Stein vom Herzen: Sie hätte ein bisschen knapp geplant, und wenn ich gegen eins im Restaurant wäre, wäre das ganz wunderbar. Später, ich steige gerade aus der S-Bahn, ein weiterer Anruf: in einer Viertelstunde wäre sie da. Wunderbar, da kann ich noch ein bisschen buntes Gemüse besorgen. Ich hab Erfahrungswerte mit Polinnen: damit kann ich punkten, selbst wenn sie die Blumen am Ende doch nur in den Mülleimer pfeffern sollte.

    Tatsächlich braucht es gut 20 Minuten, bis sich das Handy ein weiteres Mal meldet:
    „Wo bist Du?“

    Ich stehe auf, angesichts des herrlichen Wetters habe ich mir einen Tisch im Garten geben lassen, und winke. Eine große, schlanke Frau im Sommerkleid überquert gerade die Straße, das Handy am Ohr.
    „Ich seh Dich!“

    „Ich Dich… jetzt hab Dich gesehen.“

    Das Gespräch bricht ab. Die große, schlanke Frau, die jetzt vollends die Straße überquert hat, verstaut ihr Handy im Laufen in ihrer Handtasche.
    „Czesc!“

    Küsschen links, Küsschen rechts, fast wie im Puff.
    „Ein schönes Hemd hast Du an!“

    Ja, sicher, schließlich wolltest Du mich im Hemd - und nicht im T-Shirt. Ich hab so um die zwanzig Stück Hemden im Schrank, selbstredend eines schöner als das andere. Allerdings: sogar im Business Casual - ich hab mir Sneaker erlaubt, statt Halbschuhe zu tragen - bin ich komplett overdressed für diesen Laden.
    Dit is Berlin.

    Nimm doch mal diese absurd große Sonnenbrille ab! Danke.
    Dit is also Danuta.

    Danuta ist kommunikativ. Sie erzählt viel, gern und laut. Sie ist klug und weiß, was sie sagt. Sie hat ein paar Eigenheiten im Gespräch… alte Erinnerungen werden wach. Danuta ist Polin. Polinnen sind die besten Frauen, immer wieder.

    Die Chemie stimmt, die Zeit rast, zwei Stunden sind *rum wie nüscht*. Angelegentlich schau ich auf die Uhr: Ich hab mir mein Dessert zu 16 Uhr ins Hotel bestellt, ich muss jetzt irgendwann los. Sie schaut mich an:
    „Was denkst Du? Passt es mit uns?“
    „
Ich bin noch da. Reicht das? Und was denkst Du?“

    „Ich bin auch nicht gegangen.“

    Ich nicke.
    „Klar, die Dorade war ziemlich lecker. Wäre schade gewesen.“

    Sie lacht.
    „Ich bringe Dich zur S-Bahn. Von mir aus passt es.“

    „Lass uns morgen telefonieren. Ich muss noch nachdenken.“

    Nachdenken, ob ich mich schon wieder auf eine dieser polnischen Hexen einlassen soll. Denn dass sie eine *Czarownica* ist, daran hab ich keinerlei Zweifel.
    „Gut.“

    Sie wartet mit mir auf den Zug, dann trennen sich unsere Wege. Und ich muss jetzt eilen, mein Dessert nicht zu verpassen.

    27. Mai 2020, City West: Das Dessert.
    Es wird knapp. Als mir in Steglitz die U9 direkt vor der Nase wegfährt, weiß ich, dass ich keinesfalls pünktlich am Hotel sein werde. Hoffentlich ist mein Dessert zu spät…

    Ich bin im U-Bahnhof Ku’damm auf der Treppe hinauf ans Tageslicht, da schellt das Telefon. Mein Dessert ruft bevorzugt über WhatsApp an. Das ist nur dann ein Problem, wenn man keine Datenverbindung hat… und in der Berliner U-Bahn hat man nie eine brauchbare Verbindung - jedenfalls nicht dann, wenn man sie braucht. Folgerichtig kommt das Gespräch nicht zustande. Erst an der Oberfläche hab ich wieder Balken.
    „Ich bin da. Holst Du mich bitte ab?“

    „Sorry, es hat länger gedauert. Ich bin in fünf Minuten da.“

    „Kein Stress. Lass Dir Zeit.“

    Ich sag ihr, wo sie auf mich warten soll, und dann beeile ich mich. So gut es denn geht, denn: Dass trotz Corona derart viele Leute auf dem Ku’damm unterwegs sind… unglaublich. Endlich am Treffpunkt: keine Spur von ihr. Hat sie die Geduld verloren? Verständnis dafür hätte ich. Ich krame nach dem Telefon.
    „Wo bist Du? Ich sehe Dich nicht?“

    „Aber ich sehe Dich!“

    Sekunden später erspähe ich sie. Kleiner, als ich sie aus dem Arte in Erinnerung habe - logisch, sie wird nicht mit 20-Zentimeter-Absätzen durch die Stadt stöckeln. Der Mund eine Spur zu grell geschminkt, aber sonst sieht man ihr die Profession nicht an. Perfekt, die Frau denkt mit, die macht sicher nicht den ersten Hotelbesuch.
    „Ce faci?“

    „Buna!“

    Wenn sie erstaunt sein sollte, dass ausgerechnet ich sie gebucht habe, lässt sie sich das nicht anmerken.
    „Komm!“

    Mit ihr kann ich mir irgendwelche Umwege durch die Tiefgarage sparen. Hoffentlich hat mir das Housekeeping den zweiten Satz Handtücher mittlerweile aufs Zimmer gebracht…

    Große Umstände machen wir auf Zimmer nicht. Bisschen Smalltalk, während ich mich sortiere, dann Preisverhandlung. Ich sag ihr, welche Konditionen ich im Arte bei Stundenbuchung mit meinen Lieblingen hatte - die würde ich ihr auch anbieten. Es gibt da ja immer noch dieses winzige Detail, über das man gesondert reden muss… daran, dass mir dieses Detail wichtig ist, lasse ich keinen Zweifel.

    Mein Dessert schlägt ein. Vermutlich bezahle ich zuviel, aber ich hätte ein schlechtes Gefühl, würde ich ihre im Moment sicher nicht einfache Situation ausnutzen und den Preis drücken. Nach Vorkasse fragt sie nicht, vermutlich gelte ich als… einer, der öfter mal im Arte war, vertrauenswürdig. Das ist doch schon einmal eine Basis.

    Ich entblättere mich, sie schaut mir ungeniert zu.
    „Du siehst gut aus!“

    Oh, Dankesehr.
    „Du aber auch.“

    Einen trainierten Body hatte sie schon immer, mal mehr, mal weniger - jedenfalls in den acht Jahren, in denen wir uns im Artemis immer wieder über den Weg gelaufen sind, ohne dass sich unsere Pfade jemals gekreuzt hätten. Offenbar hat sie die letzten Wochen und Monate intensiv für Bodytoning benutzt: Respekt.

    Nach einer kurzen Dusche befummeln wir uns im Stehen. Sie lässt sich angenehm an, logisch bei diesem Hardbody. Die Brüste sind silikonisiert, leider. Ich kenne sie noch mit Naturbrüsten, aber auch damals mochte ich sie nicht buchen - also selber schuld.

    Wir befummeln uns, und die Wünschelrute funktioniert. Sobald die Wünschelrute vollends ausgefahren ist, und das dauert nicht lange, löst sie sich von mir und bittet mich aufs Bett.

    Wir betreiben Crossing-The-T, sie lässt mich mit professioneller Geduld gewähren. Mit den Silikonmöpsen hab ich es nicht so, aber dieser höchst straffe Bauch, der das kleine Sixpack nicht verbirgt… edel. Sie lässt mich gewähren, bis es ihr dann doch zu bunt wird: jetzt wird sie selbst aktiv. Ich bekomm ein paar Küsschen, dann küsst sie sich an mir nach Süden, vermutlich ist das ihr übliches Standardprogramm.

    Ich bekomm einen Blowjob, der durchaus besser als nur Durchschnitt ist, sie beschäftigt sich ausdauernd und kenntnisreich mit meinem Kampfgerät. Ab und an gibt es einen Kontrollblick, ob ich mich wohlfühle - doch, mir geht es gut. Zwei Runden Blowjob gibt es, dazwischen eine nette Kuschelpause mit ein bisschen Smalltalk und ein paar Berührungen, alles schick.

    Den Ausritt bewältigt sie weitgehend vornübergebeugt, das schützt bekanntlich vor zugriffigen Händen und irgendwelchen Kussversuchen des Freiers. Zwischendurch richtet sie sich aber immer wieder auf, präsentiert ihr Sixpack und die Möpse, und natürlich werde ich dann auch zugriffig.

    Stellungswechsel zum Doggy, die Erektion schwächelt bisschen, aber noch bin ich fickfähig. Irgendwie törnt mich Doggy mit ihr nicht wirklich an. Ich rammele so ein bisschen vor mich hin, aber Erektion und Lust kommen jetzt irgendwie in eine Abwärtsspirale. Bevor ein Unglück mit Erektion und Gummi passiert, stöpsele ich lieber aus.
    „Was hast Du?“

    „Alter Mann…“

    „Hattest Du viel Stress heute?“

    Gut möglich, dass die Hetzerei vom Mittagessen zum Dessert wirklich ein bisschen zu viel für mich war. Eine halbe Stunde Pause hätte mir sicher gut getan. Aber: ich soll mich nicht beschweren, die Termine hab ich schließlich selbst so gelegt, wie sie nun liegen.

    Mein Dessert ist eine von den Guten, sie lässt mir meinen Willen und kuschelt sich nett an, als ich mich schließlich ausgestreckt habe. Wir plappern ein bisschen, und irgendwann wandert ihre Hand langsam in Richtung meines Südens. Das Kampfgerät liegt dort halbgar in der Gegend herum, und als hätte es nur auf die Berührung ihrer Hände gewartet…
    „Noch mal ficken?“

    Ich schüttele den Kopf.

    Schön, dass ich einer erfahrenen Hure nicht extra sagen muss, dass ich jetzt einfach nur noch einen Blowjob will. Der ist wieder besser als der Durchschnitt, aber eben nicht Spitzenklasse. Heute hätte ich vermutlich nur mit einem Spitzenklasseblowjob eine Chance gehabt, über die Klippe zu kommen.
    Egal, wozu hat die erfahrene Hure erfahrene Hände…

    Das Hotel ist nicht das Artemis, Zimmer 906 ist nicht Zimmer Nike - also gibt es keine Puffrolle. Sie springt auf, flitzt ins Bad: Klopapier oder Kosmetiktücher, was wird sie angeschleppt bringen?

    Freundlicherweise entscheidet sie sich für Kosmetiktücher :cool:.

    Wir sind schon gut über die Zeit, aber sie hat überhaupt keine Eile. Wir gehen auf die kleine Dachterrasse, die zu meinem Zimmer gehört, schwatzen gemütlich, machen ein paar Selfies: Hure mit KaDeWe, das zieht immer. Nach gut anderthalb Stunden entscheidet sie, dass es Zeit ist, zu gehen.

    Warum eigentlich hab ich sie in all den Jahren im Artemis nie gebucht?

    *** Fortsetzung folgt ***
     
  4. Elskhuga

    Elskhuga Zenturio

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    *** 3. Fortsetzung ***

    02. Juni 2020, Homeoffice.
    Irgendwas stimmt nicht in meinem Profil. Ich bekomm eine Chatnachricht angezeigt - aber da ist keine. Merkwürdig. Es dauert eine Weile, bis ich begreife, was sich verändert hat: Ein Chatverlauf fehlt. Der mit Danuta.

    Eilig klicke ich mich durchs Menu: Tatsächlich, Danuta hat mich blockiert. Hat sie der Mut verlassen? Hat sie einen besseren gefunden, einen, der gleich springt, wenn sie es will? Möglich ist alles. Möglich ist zum Beispiel eine SMS. Bekomm ich keine Antwort von ihr, ist alles klar.
    - Czesc Danuta! Alles in Ordnung? Hab ich was falsch gemacht?

    Ich muss nicht lange warten.
    - Nein alles oki. Ich hatte mein Konto bei Sugar in diesem Moment blockiert.
    - Ja das hab ich mitbekommen. Deswegen die Frage.

    - Weil ich mit Dir verabredet bin. Ich hatte viele neue Anfragen ... ich konzentriere mich auf unsere Verbindung ... wie ich sagte .. ich will nur eine Verbindung.

    Hm. Du hast nicht *Dein* Konto blockiert - so was geht bei MSD auch, das nennt sich *Profil deaktivieren* - Du hast *mein* Konto blockiert. Weiber… Ich verzichte darauf, das Thema zu vertiefen und freundlicherweise wechselt Danuta das Thema bald von selbst.
    - Ich hoffe dass du im Bett nicht etwas besonderes brauchst ... dass du keine Fetische hast.

    Na, da kann ich sie guten Gewissens beruhigen. Ein alter, verwöhnter, anspruchsvoller Sack zu sein, zählt nicht als Fetisch. Oder?

    04. Juni 2020, Homeoffice.
    Ich hab schon vor Wochen einen zweiten Nutzer angelegt, mit dem klicke ich mich mehr oder weniger gelangweilt durch die Profile. Am Rand des Bildschirms ziehen in immerwährendem Strom die Profilbilder der Sugarbabes vorbei. Aus dem Augenwinkel… Moment, das ist doch Danuta?

    Danuta. Ich schwöre, ich hab nicht gezielt nach ihr gesucht. Da ist also Danuta, und nicht nur ihr Profil ist noch da, das Profil hat auch einen grünen Balken: sie ist online. Ganz schön durchtrieben: *Ich will nur eine Verbindung.*


    Nein. Du willst, dass ich glaube, ich hätte Dich exklusiv. Irgendwie sind sie doch alle Huren, die Weiber. Jede verkauft sich für irgendwas an irgendwen. Und zur Not auch nicht nur an einen. Gut, dass ich geschieden bin.

    Soll ich das Date deswegen absagen? Pfff… Sie ist nicht die erste Hure, die ich ficke, und sie wird nicht die letzte sein.

    09. Juni 2020, MySugarDaddy.
    Danuta sucht - der grüne Balken spricht eine eindeutige Sprache - unverändert nach einer weiteren Verbindung. Was dem einen recht, ist dem anderen billig - also kann ich das auch. Virtuell wohne ich immer noch in Berlin. Ich stöbere durch die Berliner Profile. Mindestens 30 Jahre alt sollte die Kandidatin sein, und sie sollte ein Kreuz bei OneNightStand gemacht haben. Die Auswahl ist nachgerade riesig, ungelogen. Aber: etliche Profiltexte lesen sich hochnäsig und arrogant - wisch-und-weg. Es gibt welche, die erwarten ab 2.000 monatlich aufwärts - wisch-und-weg. Da gibt es von oben bis unten tätowierte und mit Bauschaum ausgestopfte Frauen, bei denen Du den Zuhälter im Hintergrund nicht nur ahnst, sondern förmlich siehst - wisch-und-weg. Die da, die könnte was für mich sein. Kurzer, knapper, direkter Text, zwei nette Fotos. Eines zeigt ein bisschen Figur: Nicht so schlecht.
    - Du schreibst erfrischend offen, was Du willst. Das gefällt mir. Sieht erstmal so aus, als würde es passen. Was meinst Du?
    - Wir können ein Date organisieren und schauen ob es wirklich alles stimmt, mit Chemie und Gespräch.
    - Ich möchte gerne wissen was schlägst du als finanzielle Unterstützung vor. Ich wünsche dir angenehmen Tag :)

    Angenehm direkt. Ihre Preisvorstellung ist selbstbewusst, aber wir finden einen Kompromiss, mit dem ich leben könnte. Passt.
    Aber: Ich muss die zweite Verbindung nicht haben, wenn die erste Verbindung funktioniert. Danuta hat den ersten Zugriff, Silvia, so nennen wir sie mal, stelle ich mit einer kleinen Geschichte erst einmal auf Standby.
    - Klingt fair. Alles Gute.

    Mein Charme ist eben unwiderstehlich.

    *** Fortsetzung folgt ***
     

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