Goldentime

Paradies Aus der guten alten Zeit: Walpurgisnacht

Dieses Thema im Forum "Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Berlin" wurde erstellt von Elskhuga, 30. April 2020.

  1. Elskhuga

    Elskhuga Präfect

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    Vorwort

    Schon komisch, wie sehr die Erinnerungen verschwimmen mit der Zeit...

    Ich konnte mich beim besten Willen nicht mehr daran erinnern, dass ich seinerzeit in der Walpurgisnacht unterwegs war. Und dennoch: eine ganz bestimmte Situation, ein ganz bestimmtes Erlebnis verbinde ich bis heute mit diesem Laden im Erfurter Norden, auch wenn es schon auf den Tag - oder besser: auf die Nacht fünf Jahre her ist...

    Ein kleines bisschen Text aus meinem kleinen Archiv - von dem ich in diesen Tagen mehr denn je froh hin, dass ich es habe. Ich kann mich erinnern, kann nachlesen, wie es damals war, in der Guten Alten Zeit. Sie wird nicht wiederkehren, denn sonst wäre sie nicht die Gute Alte Zeit.


    *** *** *** *** ***

    "Ist das in Ordnung so für Dich?"
    "Ja."

    Ich drehe ab zum Spind, erwarte, dass sie mir wenigstens pro forma folgt, doch damit lieg ich daneben. Auch sie dreht ab, besser: sie verschwindet in der Damenumkleide. Etwas verloren steh ich herum, verfolge noch die Abschiedsszene einer Moldawierin, perfekt russisch mit ihrem Gast parlierend. Bisschen was versteh ich, aber das ist mir grad egal... kommt sie noch mal raus?

    Verlegen trampel ich von einem Bein aufs andere... nein, sie kommt nicht zurück.

    Schade. Aber vielleicht seh ich sie ja doch mal wieder: Irgendwie, irgendwo, irgendwann. Denisa, meine Hexe aus der Walpurgisnacht.

    *** *** *** *** ***

    Ich hab ein Ende zu fahren heute. Einmal quer durch die Neuen Länder, die sogenannten. Das Artemis lass ich quasi rechterhand liegen, die beiden Läden in Leipzig links: Mich zieht es mal wieder nach Erfurt ins FKK Paradies. Punkt zwei rollt der Heizölturbo vors Haus. Ein Telefonat noch im Auto, damit wäre die Arbeitswoche beendet. Sehr schön. Handycheck… eine Mail unter anderem: Gute Reise und viel Glück mit den Hexlein! wünscht mir ein Kollege.

    Sein Wunsch in Gottes Ohr. Wenns hilft, auch gern in die Ohren der Hexlein.

    Die Pforten sind offen, beide, und schon bin ich drin…

    *** *** *** *** ***

    Ich leg kommentarlos den Obolus auf den Tresen, ich bekomm ebenso kommentarlos den Schlüssel am Bändchen gereicht. Das Big-Ben-Glockenspiel ertönt. Ein Schnuckelchen erscheint…
    „Dein Schlüssääll, bitte!“

    … führt mich in die Umkleide zum Spind, öffnet selbigen und drapiert zwei Handtücher dortselbst.
    „Bittesäärr!“

    Danke.

    Zum Puffknigge gehört die Dusche. Eigentlich Blödsinn, weil ich vor dem Zimmer ja eh noch mal unter den Wasserfall gehe… Mist, ich hab meine Badelatschen vergessen. Nicht schon wieder… wohl oder übel schlüpfe ich in die puffeigenen und bete, dass die Desinfektionslauge gestern frisch angerührt war.

    Dann Frühstück, unverändert guter Paradies-Standard, nichts zu meckern. Im Anschluß kein Milchkaffee, sondern Kaffee mit Milch, und ab auf meinen Lieblingsplatz. Ich schau mich um: Hexlein mögen fünfzehn, vielleicht zwanzig im Haus sein, Kollegen vielleicht zehn. Holla, da hab ich ja heute richtig Konkurrenz… so voll kenne ich den Laden gar nicht.
    "Wie gääähts? Gehen wir heute auf Zimmäärr?"

    Maya. Schockschwerenot, diese grünäugige Hexe muss ich nun wirklich nicht haben.

    „Ich bin zum ersten Mal hier heute!"
    "Nein, Du warst schon mal hier, und Du hast genau auf diesem Platz gesessen."

    Kaum zu glauben, dass ich auch in diesem Puff schon ausrechenbar geworden bin…

    *** *** *** *** ***

    Ich nehme die Parade ab. Das erste Hexlein, das sich zu mir bemüht, schick ich noch weg. Den Namen hab ich verdrängt, sorry, viel Eindruck kann die Frau also nicht gemacht haben. An - vermutlich - aufgespritzte Lippen erinnere ich mich, an mehr nicht.

    Schon die zweite Hexe aber verhext mich. Denisa.
    "Denisa? Wirklich?"

    Sie nickt. Denisa, das wäre ihr Name. Ich erinner mich, dass beim letzten Mal eine recht kleine und pummlige Denisa an mir geklebt hat... das ist hier ist eine andere.

    Diese Denisa hier ist nicht pummlig. Kein Hardbody a la Fatima, aber schlank. Ihre Tittchen sind Natur, auf den Tittchen blaßrosa Warzen mit - leider - eingefallenen Nippeln, ihre mittelllangen dunkelblonden Haare trägt sie zum Pferdeschwanz gebunden. Gebräunte Haut mit einigen auffälligen Muttermalen. Lingerie in pink. Doch, das ist ein nettes Persönchen.

    Sie ist nicht nur nett, sondern fröhlich und aufgeschlossen. Deutsch kann man mit ihr reden, Englisch funktioniert aber besser. Also Englisch.
    „Musst Du auf Arbeit Englisch sprechen?“
    „Nein. Ich hab das in der Schule gelernt.“
    „Aber Du sprichst fließend Englisch…“

    Danke für das Kompliment.

    Denisa, so stellt sich heraus, hat schon in England angeschafft, daher ihr recht gutes Englisch mit dem manchmal durchklingenden britischen Akzent. Sie plaudert ein bisschen aus dem Nähkästchen… nicht alles ist Nuttengarn. Ihre Erfahrungen decken in manchen Dingen mit dem, was Avril aus ihrer Zeit auf der Insel durchblicken lässt, wenn sie einen guten Tag hat.

    Denisa schnallt schnell, dass der olle Daddy, mit dem sie gerade schmust und kuschelt und schwätzt, vielleicht nur selten in Erfurt ficken geht, nichtsdestotrotz aber auch schon den einen oder anderen Blick hinter die Kulissen des Geschäfts geworfen hat. Diese, das werde ich später am Tag noch erleben, sind im FKK Paradies durchscheinender und dünner als im Artemis oder anderswo… doch noch bin ich unbefangen.

    Paradies-üblich wird ausgiebig geschmust und gekuschelt, und irgendwann stellt sie fest:
    „Du bist sehr sauber!“
    „Norr-mahl!“

    Normal wäre das nicht, erklärt sie, was ich ihr unbesehen glaube. Sie würde Gäste schätzen, die sauber seien, erzählt sie weiter… Ich nehme das mal als Zeichen, dass sie die Akquise als beendet betrachtet.

    Ich raffe mein Handtuch und mühe mich hoch.
    „Was machst Du?“
    „Ich gehe Zähneputzen und Duschen.“
    „Und dann?“
    „Dann hole ich Dich ab, wenn Du möchtest. Möchtest Du?“

    Völlig überraschend möchte sie.

    *** *** *** *** ***

    Sie möchte noch mehr, nämlich vorglühen im Kino. Müsste sie nicht, ich hab eh Latte, aber was solls.

    Im Kino ist ein weiteres Pärchen zugange, eins der großen Sofas ist mit einem Pulk Hexlein besetzt, die dort Produktionsberatung machen… oder auch nur ihren mitternächtlichen Ausflug zum Brocken planen. Denisa führt mich auf das Sofa vorn in der Mitte und zündet den Turbo.

    Der Turbo sieht so aus, dass ich einerseits eine ihrer Hände am Schwanz hab und andererseits ihren Lippen erst am Hals und dann ihre Zunge im Gebiss spüre. Jungejunge… Du gehst aber ran.

    Ich bin gespannt, ob sie nicht nur fummelt, sondern auch im Kino bläst oder gar fickt. Mir wäre das Wurst, mich kennt hier keiner, ich würd sie also nicht bremsen… Die Frage wird schnell beantwortet:
    „Gehen wir aufs Zimmer?“

    Sie sagt das nicht einfach so, sondern haucht das mit leicht heiserer Stimme in mein Ohr. Wow… allein von dieser Stimme bekomm ich Gänsehaut.

    Also los. Sie hat ein Lieblingszimmer, angeblich das Zimmer, in dem sie auch übernachtet. Denisa parkt mich fix, entschuldigt sich. Ich fang derweil schon mal an, das Bett zu bauen. Schnell ist sie zurück…

    *** *** *** *** ***

    Sie quittiert das gemachte Bett, schlüpft aus den Puffstelzen, entwindet sich meinen nach ihr ausstreckenden Händen und legt sich ab.
    „Komm zu mir!“

    Ich komm zu Dir, Denisa, aber auf meine Art. Also beginne ich sie zu bekuscheln und zu bezärteln. Denisa ist eine gute Hure. Sie begreift schnell, was der Schmerbauch da neben ihr möchte, stellt sich darauf ein und spielt mit. Und sie spielt gut, sehr gut mit. Insbesondere die intensive Küsserei, die sie betreibt, überrascht mich. Mir ist die Küsserei sonst komplett Banane… manchmal stört sie mich sogar. Bei ihr, mit ihr, passt sich die Küsserei in den Zauberspruch ein, mit dem sie beginnt, einen Bann um mich zu weben.

    Blöd nur: Ich bekomm das nicht mit. Das mit dem Bann.

    Ich bekomm nur mit: da hat eine Hure offenbar mal so richtig Spass an der Arbeit.
    „Du bist ein echter Profi!“

    Sie schaut entsetzt.
    „Was?“

    Ich bemühe mich, ihr zu versichern:
    „Auf positive Art. Ich mein das nicht böse!“

    Sie ist beruhigt. Sicherheitshalber schieb ich noch hinterher:
    „Ich würde gern eine Stunde bleiben, wenn Du möchtest.“
    „Das entscheidest Du, nicht ich.“
    „Nur, wenn Du möchtest.“

    Wieder möchte sie, völlig überraschend. Und dann…
    „Ich möchte mal schnell… nach draußen, Wasser holen. Möchtest Du auch etwas zu trinken?“

    Und in diesem Moment durchzuckt es mich wie ein Blitzschlag in dunkler Walpurgisnacht…

    Ich halt’s also aus, und lasse sie machen. Wie gesagt, sie macht’s dezent, für eine Halbstundennummer vermutlich auch genau richtig. Heute aber will ich die Stunde, ich hab ein gutes Gefühl, das wird heute richtig gut mit ihr. Und deshalb:
    „Soll ich Deinen Schwanz jetzt anziehen?“
    „Nein, noch nicht.“


    Sie weist auf die Uhr, die halbe ist ziemlich genau grad rum.
    „Ich hab doch gesagt, lass Dir Zeit.“
    „Hab ich doch… oh, Du möchtest heute eine Stunde bleiben!“


    Mehr eine Feststellung als eine Frage. Ich nicke.
    „Entschuldigung, aber dann möchte ich gern auf Toilette!“


    Es wäre Blödsinn, ihr das zu verbieten. Sie wird das nicht zum Zeitschinden benutzen wollen, so wie einst Mio. Sie macht sich auf und rennt los. Sie rennt tatsächlich, das ist gut zu hören. Zeitschinden sieht anders aus. Und ich prüfe fix mit meiner eigenen Uhr, ob sie ihr Zeiteisen vorgestellt hat. Hat sie nicht.

    … und ich sehe die ersten feinen Spinnfäden des Banns, den dieses Hexlein gerade begonnen hat, um mich zu spinnen. Gerade noch rechzeitig.

    Denisa rennt tatsächlich los, das ist zu hören, und ich prüf nicht ihre Uhr, die hat sie nämlich am Handgelenk, sondern meine. Die Zeit im Kino gerechnet, ist die halbe knapp um. Hat mich mein Zeitgefühl nicht getrogen.

    Sie taucht tatsächlich mit einem Glas Sprudel in der Hand wieder auf… abgetrunken ist so gut wie nichts. Ich bin sicher, das Getränk war nur ein Vorwand…

    Weiter im Text.

    Vor der Pause hatte ihre Zunge immer mal wieder angelegentlich am Kampfgerät zu tun, jetzt zeigt sie all ihr Können. Denisa bläst freihändig, nicht sehr feucht, aber nichtsdestotrotz sehr sanft. Wenn sie will. Zwischendurch zeigt sie nämlich, dass sie auch anders kann und setzt ihre Hände intensiv ein…
    „Schhhhhh…“

    Sie lächelt mich an, nicht im mindesten verlegen.
    „Das musst Du nicht tun!“

    Muss sie nicht, ich bin auch so geil auf den Fick, der sich gleich anschließen muss. Sie angelt nach dem Gummi, reißt die Packung auf, steckt sich das Latex in den Mund. Oh, Madam will mit dem Mund aufziehen… das erledigt sie gekonnt. Sie bläst noch mehrfach drüber, greift dennoch zur Geltube und steigt dann auf…

    Denisa erweist sich weder als übermäßig eng, ich würde eh mal tippen, dass sie schon Mutterfreuden hatte, noch als übermäßig heiß… aber sie spinnt dennoch mit vollen Kräften weiter an der Illusion, in der sie mich einwickelt. Sie hat nämlich kaum aufgesessen, da liegt sie schon auf mir, arbeitet mit den Hüften und beknutscht mich. Wow… Normalerweise würd ich sie erst mal in aller Ruhe machen lassen, doch ich hab das Gefühl, das wär bei ihr falsch, damit könnte sich nicht so gut umgehen… ich mach also fleißig mit. Schnell steigen die Säfte.

    Oh, sie ist eine gute Hure, sie bemerkt, dass ihr Gast in Sichtweite der Klippe kommt. Sie nimmt das Tempo raus, richtet sich auf, stützt sich auf meiner Heldenbrust ab und hoppelt so sachte weiter. Wow…

    Denisa ist schlank, aber sie ist kein Hardbody wie Fatima und auch bei weitem nicht so trainiert. Ihre Grenze erreicht sie recht schnell.
    „Komm, mach Du.“
    „Doggy?“

    Sie nickt, steigt ab, bockt sich auf.

    Hmm… wir haben bissel Synchronisationsschwierigkeiten, doch die bekommen wir schnell in den Griff. Ich gönne mir jetzt einen ausgiebigen, ausgedehnten, gemütlichen Fick mit ihr, Tempo- und Winkelwechsel inklusive. Sie tut das Ihre, um mir größtmöglichen Genuß zu ermöglichen, sie ist eine gute Hure. Okay, sie könnte mir noch Blickkontakt geben, der Spiegel böte da viele Möglichkeiten, doch über diesen Schatten mag sie wohl nicht springen.

    Was solls… ich hab ja auch so meine Schatten, über die ich im Puff so üblicherweise nicht springe.

    In der Doggy bringe ich es auch zu Ende… für einen Stellungswechsel hab ich grad keinen Nerv.

    Danke, Denisa!

    *** *** *** *** ***
     
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  2. Elskhuga

    Elskhuga Präfect

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    Schon komisch, wie schnell unser Gedächtnis längst vergessene Einzelheiten hervorkramt...

    Ich hatte auf Usedom zu tun am Tag zuvor, und nahm deswegen den Weg über den östlichen Berliner Außenring nach Süden. Am Tag zuvor spazierte ich noch bei Sonnenschein auf der Promenade der Kaiserbäder, doch als ich nach Erfurt unterwegs war, war der Himmel bewölkt, die Luft war kühl, und ein frischer Wind ging. Auf einem Parkplatz am südlichen Berliner Außenring musste ich längere Zeit telefonieren, mein Chef fand es irgendwie Scheiße, dass ich nicht im Büro war. Tja, Chef, dumm gelaufen: Ich muss bei den Hexlein im Erfurter Paradies nach dem Rechten sehen...

    *** *** *** *** ***

    Sie hat keine Eile danach. Wir plappern uns eins… ich erzähl ihr von der Walpurgisnacht. Der Brocken, das verklicker ich ihr, ist so weit nun auch wieder nicht weg von Erfurt.
    „Und dann reitet ihr heute im Mitternacht alle auf Euren Besen zum Brocken…“

    Ich hab zu tun, ihrer Ohrfeige auszuweichen…

    Dann erklär ich ihr, dass sie heute abend, heute nacht meine Hexe ist, und dass sie drauf und dran ist, mich zu verhexen. Ich sag das mit Hintersinn, eigentlich mehr, um mir selbst klarzumachen: Lass Dich nicht einwickeln, Alterchen…!

    Nein, ich lass mich nicht einwickeln.

    *** *** *** *** ***

    Sie bekommt ihren Obolus, ich ein Abschiedsküsschen. Dann trennen sich unsere Wege.

    Für mich steht ganz klassisch Sauna auf dem Programm. Ich mach meine Sitzung, lümmel mich dann in den kleinen Indoorpool, lass mich treiben im warmen Wasser und schau in den blauweißen Himmel

    Schade, dass noch kein Draußen-Wetter ist. Der Springbrunnen sprudelt schon, und ich bin sicher, an den wenigen warmen Tagen, die dieser April hatte, war schon Betrieb hier draußen.

    Ganz nebenbei fällt mir auf, dass tatsächlich unmittelbar am Eingang zum Saunabereich eine Dusche ist… die hatte letztens noch gesucht. Und mir fällt wieder dieser unglaubliche Schlendrian im FKK Paradies auf: auf zwei der drei Stufen des Pooleinstiegs hat sich die Gummierung gelöst, und das nicht erst gestern… Mensch, Cheffe, muss das sein?

    Wie gehabt verzieh ich mich in den Relaxbereich. Heute scheint für hiesige Verhältnisse Hochbetrieb zu herrschen, auf einem Sofa dortselbst wird doch tatsächlich vorgeglüht? Nun, die Zeiten, wo mich das gestört hätte, sind schon lange vorbei. Ich mache es mir in einer der Kuschelmuscheln gemütlich und schaff es tatsächlich, mein Buch auszulesen: Passagier 23, Sebastian Fitzek.

    Abgelenkt werde ich nur von Evelyn. Schon am Nachmittag war sie mir aufgefallen, vor allem durch ihr unvorteilhaftes Outfit. Jetzt, wo sie so unmittelbar vor mir sitzt, bemerke ich, welch fein gezeichnetes Gesicht sie hat. Ihr Outfit allerdings stößt den Betrachter geradezu mit der Nase darauf, dass es eine bemerkenswerte Speckrolle verbergen soll… Nein, Evelyn, wir kommen nicht ins Geschäft.

    Apropos… ich könnt schon wieder…

    *** *** *** *** ***

    Ich order Kaffee mit Milch, Wasser dazu und beziehe den üblichen B-Posten. Die Stammbesatzung ist vermutlich von Maya gebrieft und lässt mich in Ruhe. Der Pulk frisch aus Moldawien angereister Grazien belegt die Sitzgruppe am anderen Ende des Raumes… die Mühe des weiten Weges nehmen die Mädels nicht auf sich. Was durchaus schade ist.

    Zwei von ihnen wecken nämlich mein besonderes Interesse. Beide äußerst schlank und mit schwarzer Pagenkopffrisur. Erinnerungsblasen steigen auf… Paulina… und zerplatzen.

    Die nähere Inspektion der verschiebe ich erst einmal auf später. Erst einmal, weil Evelyn an mir klebt.
    „Was machst Du?“
    „Ich mach Pause.“

    Mag sie nicht akzeptieren. In bemühtem Englisch fragt sie mich, wofür Männer denn im Club wären.
    „Was machst Du hier?“

    Ganz bewusst sag ich all das, was sie nicht hören will.
    „Sauna, Wellness, Essen… glaub mir, in anderen Clubs ist das Essen richtig schlecht… Bier trinken, schöne Frauen anschauen…“

    Nein, das könne es ja nicht sein. Sie meint: Männer sollen gefälligst ficken, und wenn es denn irgend geht, doch bitteschön am laufenden Band. Dass ich erst vor zweieinhalb Stunden vom Zimmer gekommen bin… viel zu viel Leerlauf.

    Immer wieder wandert ihre Hand in Richtung meines Vergnügungszentrums, immer wieder schieb ich sie sachte weg. So billig bitte nicht. Überzeug mich, dass Du eine gute Hure bist…
    „Was brauchst Du?“

    Ich versteh die Frage, aber ich begreif sie nicht. Was ich brauche?
    „Willst Du reden oder küssen oder was? Was brauchst Du?“

    Mädchen, wenn Du das nicht spürst, wenn Du das selbst nicht herausbekommst… Mein Urteil steht fest: eine gute Hure ist sie nicht.

    Ich hab bisher sorgfältig vermieden, Evelyn mehr als nötig zu berühren. Das erweist sich jetzt als Segen… so komm ich problemlos aus der Nummer raus. Und ich will raus. Sie gibt aber nicht auf und zupft jetzt an der Mitleidsmasche.

    Ihr allgemeines Gejammer mag ich nachvollziehen. Unter der Woche wär sehr wenig los, manchmal nur zehn Gäste am Tag… in Summe, nicht gleichzeitig. Zu wenig für um die zwanzig Frauen, keine Frage.

    Bei dem, was sie dann an privaten Dingen erzählt… ich weiß ich, ob sie mir was vorflunkert oder nicht. Das, was sie erzählt, entspricht so sehr dem Klischee… Aber egal.

    Eine Kollege betritt den Saal. Offenbar ein Bekannter von ihr, denn sie hat es plötzlich eilig, fortzukommen.
    „Ich gehe dann weg.“
    „Kein Problem, Evelyn.“

    Und sie zieht ab. Der Kollege, stark adipös und mir persönlich unangenehm durch die Unsitte auffallend, sein Gemächt im nur halb geschlossenen Bademantel zu präsentieren, verpasst ihr eine Massage.

    Wenns Spaß macht…

    *** *** *** *** ***

    Chance für mich, mal ein paar Runden durch den Laden zu drehen. Ich seh zu, dass ich mal unauffällig in die Nähe der beiden Paulina-Verschnitte komm. Unauffällig… was heisst in diesem kleinen Puff schon unauffällig…

    Die kleinere der beiden, komplett nackt. Paulina war schlank, sehr schlank, war Hardbody. Diese Grazie hier ist nicht schlank, sondern dürr. Für mich zu dürr. Nein, die wird es nicht.

    Die andere, größere, trägt schwarze Wäsche. Vorhin, im Halbdunkel der Bar, hatte ich beim flüchtigen Hinschauen gemeint, da wuchere üppige Schambehaarung. Aber nein, das war dann doch nur die Wäsche. Ich schau sie mir näher an… der Körper scheint knackig, die Brüste zum Anbeißen süß, aber ihr Gesicht passt nicht zum Körper. Das Gesicht ist alt.

    Schade. Keine der beiden.

    Ich hol mir noch etwas zu trinken und fläze mich noch mal auf meinen Platz. Denisa kommt für einen kurzen Schwatz längs, Kundenbindung, und natürlich will sie abklopfen, ob ich nochmal Lust auf sie habe.

    Wenn ich es mir recht überlege… Ja. Ich hab Lust auf sie. Als Rausschmeisser. Aber vorher…

    Da ist eine wirklich üppige Blondine, komplett außerhalb meines Beuteschemas. Sie strahlt irgendetwas aus… Ich hab kein Wort mit ihr gesprochen, bin mir aber dennoch sicher, dass ich von ihr ein gutes Zimmer bekomm. Kurz entschlossen stiefel ich ihr hinterher, als sie eine Runde durch den Laden dreht. Am Daddelautomaten fang ich sie ab.
    „Hallo!“
    „Wer bist Du denn?“
    „Ich heiße Felicia.“

    Und ich Schnuckiputzi, jedenfalls für die nächste Stunde.

    *** *** *** *** ***

    Felicia sucht schon hier im Stehen intensiven Körperkontakt. Freigiebig verteilt sie Küsse… nicht so intensiv wie Denisa, aber immerhin. Wir werden uns schnell einig… sie führt mich in eine der Kuschelmuscheln im Relaxbereich. Sie macht eine der Muscheln bezugsfertig, wird sind auch allein jetzt, schließt eine Seite des Vorhangs und zieht mich hinein.

    Und dann wird vorgeglüht. Vom Feinsten.

    Oben macht sie Smalltalk, beknutscht mich ausgiebig, und unten wird gefummelt. Heftig. Keine Ahnung, wie lange das so geht, aber ich finds geil. Von mir aus kann es auch hier zur Sache gehen, wir sind eh allein… aber vielleicht ist das im FKK Paradies auch nicht gern gesehen. Egal.

    Ob wir denn auf Zimmer gehen sollen,fragt sie.

    Unbedingt, antworte ich.

    Also gehen wir.

    Sie sucht ein Zimmer aus. Es ist das, in dem ich seinerzeit mit Anni zugange war. Ein schönes Zimmer.

    Sie macht so weiter, wie sie in der Kuschelmuschel aufgehört hat: Fordernd. So, wie sie Minuten später am Schwanz rubbelt und bläst, würd ich sogar sagen: Sie hätte kein Problem damit, wenn ich jetzt schon abschießen würde.

    Tu ich aber nicht, ich bin ja auch nicht erst seit gestern im Geschäft. Und außerdem stellt sie sich nach meiner Bitte, es doch sanfter angehen zu lassen, auch sofort darauf ein. Nun, intensiv ist die Behandlung, die sie mir angedeihen lässt, immer noch, aber wenigstens tut sie nicht mehr weh.

    Der Dreistellungskampf ist dann sehr befriedigend. Und, das muss ich wirklich sagen, sie teilt nicht nur aus, sie steckt auch ein. Klaglos. Nach ihrer Behandlung brauch ich es nämlich recht heftig… auf die sanfte Tour kam ich nämlich in den nächsten zwei Stunden nicht mehr über die Klippe. Also muss ich sie auf die heftige…

    Ich hab äußerst selten derart üppige Frauen. Trotzdem… es hat schon was, diesen üppigen Hintern vor mir zu sehen, beim Ficken an den großen Naturmöpsen zu spielen… dochdoch. Die Performance, die sie abliefert, ist schon ziemlich geil.

    Ich komm nicht nur auf die sanfte Tour nicht so schnell über die Klippe, auch auf die harte erweist sich dieses Ansinnen als problematisch. Ich stöpsel also aus…

    Felicia ist eine gute Hure. Sie riecht den Braten… nein, ohne Abgang lässt sie mich nicht gehen. Ich knie auf dem Bett, schließlich hab ich ja im Doggy ausgelocht. Sie wiederum kniet face to face vor mir… da ist sie gelenkig, da war sie schnell.
    „Soll ich mit dem Mund?“

    Fragender Blick. Kopfschütteln. Sie quittiert und beginnt zu wichsen. Ohne Erfolg… oder, besser: ohne schnellen Erfolg. Hätte sie mich vorhin sanfter angefasst… nun denn, kann sie nicht wissen.

    Schlußendlich greif ich zur Selbsthilfe. Den Blick fixiert auf ihre Rückseite im Spiegel, ihre Hände fühlend, die über meine Haut gleiten, ihre Zähne spürend, die an meinen Nippeln knabbernd: Sie tut das Ihre, um mir den Sprung über die Klippe zu ermöglichen. Und es funktioniert.

    Danke, Felicia.

    Smalltalk. Ein anderer Gast hatte ihr wohl geraten, in eine größere Stadt zu wechseln, wo sie besser verdienen kann.Ich bin ja ab und an mal im Artemis und vertell ihr ein paar Döntjes. Hundert Frauen, manchmal mehr, mit denen sie konkurriert… sie schluckt.
    „Alles schöne Frauen?“
    „Alles schöne Frauen, genau wie hier.“

    Sie lächelt und begreift das so, wie es gemeint ist: als Kompliment.

    *** *** *** *** ***

    Ich schau auf die Uhr. Verflixt, schon viertel elf, und ich hab noch nichts gegessen. Jetzt aber schnell… die Dusche muss warten. Schnell einen Fünfer aus dem Spind gekramt…
    „Bekomm ich noch was zu Essen?“
    „Dann geh aber gleich.“

    Ich bekomm mein Bändchen in grün und laufe los. In der Kantine… die Schmalhüftige! Innerlich stöhne ich auf… nicht schon wieder die Diskussion, dass man doch bitte zeitig zum Essen auftauchen möge…
    „Ich bekomm noch was zu Essen?“

    Die Schmalhüftige rollt mit den Augen.
    „In einer Viertelstunde mache ich zu. Warum kommst Du nicht früher?“

    Das kam ziemlich barsch. Au weia.. Ich klappere schuldbewusst mit den Augendeckeln.
    „Sorry, ich hab mich verteilt mit der Zeit.“
    „Beeil Dich.“

    Mach ich. Nicht, dass sie mir nachher den halb geleerten Teller unter der Gabel wegzerrt… aber ich brauch was zwischen die Kiemen, sonst kippe ich um. Muss ich nicht haben, nicht im Puff.

    Ich nehme mir das letzte Hähnchenteil, Gemüse dazu, Nudeln, suche mir einen Platz. Dann noch Besteck… die Schmalhüftige mustert mich.
    „Möchtest Du etwas trinken?“
    „Geht schon.“
    „Wasser?“

    Ich nicke, mit vollen Backen mampfend. Und die Schmalhüftige läuft doch tatsächlich los, holt eine frische Karaffe, schenkt mir ein.
    „Danke! Und Entschuldigung nochmal…“
    „Du kannst Dir auch Salat nehmen.“
    „Ich weiß, Danke. Alles gut.“

    Sie verschwindet. Ich mach fünfzehner Rundschlag und hab meinen Teller bald leergefuttert. Jetzt noch ein Dessert… Kontrollblick: Sechs Minuten hab ich noch.

    Die Schmalhüftige bemerkt, wie ich die Süßigkeiten mustere. Den Böse-Hexe-Blick hat sie abgelegt.
    „Vanillepudding mit Kirschen und Vanille-Schoko-Creme.“

    Ich greif mir den Pudding mit Kirschen, sie bringt mir ein Schälchen mit Creme hinterher.
    „Probier beide, dann kannst Du mir nachher sagen, was besser geschmeckt hat.“

    Und nun bin ich endgültig drauf und dran, ihr Guten Flug zum Hexentanzplatz und zurück zu wünschen.

    Ich bin fertig. Das Geschirr bring ich zum Tresen. Sie sitzt im Hinterzimmer, smokt mit einer Kollegin. Noch einmal Augenklappern.
    „Danke!“

    Und nun lächelt sie tatsächlich zurück…

    Walpurgis ist schon was Besonderes.

    *** *** *** *** ***

    Erst mal ein Wasser im Stehen am Tresen… nahebei hockt Evelyn.
    „Na, war die Massage schön?“

    Sie schaut schnippisch, und sie antwortet schnippisch.
    „Ja. Du hast es Dir ja angesehen.“

    Und ich hab auch gesehen, dass Deine Geschäfte besser laufen, als Du es mir vorgejammert hast. Schön für Dich, ich seh das leidenschaftslos. Und schön für mich, dass ich nicht auf Dich reingefallen bin.

    *** *** *** *** ***

    „Machst Du mir einen Kaffee mit Milch?“
    „Gern.“
    „Bitte ohne Berg, ja?“

    Die Thekenpüppi schaut irritiert.
    „Ohne… was?“
    „Na, ohne Berg. Kennst Du das nicht?“

    Ich mache eine Handbewegung, deute an, was ich unter einer Tasse mit Berg verstehe.
    „Ah… Du meinst: nicht randvoll.“

    Exakt das meine ich. Ich will die Tasse schließlich unfallfrei zu meinem Lieblingsplatz balancieren können.

    *** *** *** *** ***

    Was fang ich an mit dem angebrochenen Abend? Ich hatte zwei schöne Zimmer, ich muss nicht noch mal ficken.

    Andererseits… wo ich schon mal hier bin… In mir formt sich ein Plan. Ich bin mir nämlich absolut nicht sicher, ob ich nach der Nummer mit Felizia so schnell wieder einen Abschuss hinbekomme. Mit Denisa allerdings könnte ich mir eine schöne Kuschelstunde, im Notfall auch ohne Abgang, sehr gut vorstellen.

    Also Denisa zum zweiten.

    Wenn ich allerdings eine reelle Chance auf einen Abgang haben will, sollte ich mir zwei Stunden Pause gönnen. Und genau das mache ich.

    *** *** *** *** ***

    Ich mache es mir gemütlich, döse vor mich hin, schau mir den Betrieb im Laden an.

    Evelyn zum Beispiel macht aktiv Aquise. Nicht erfolglos, wie mir vorhin schon klargeworden ist. Fünf, maximal zehn Minuten Aquise, dann hat sie den Gast an der Angel oder gibt auf. Bemerkenswert, dass sie vorhin derart lange an mir herumgegraben hat.

    Ihre Freundin, ich hab mir zu ihr den Namen Paula gemerkt, was aber nicht stimmen muss, verzweifelt vermutlich auf ihrem Platz auf der Liegewiese, auf dem sie wie festgepappt hockt. Ab und an wirft sie mir über die Schulter einen Blick zu… wenn Du was von mir willst, Schnucki, musst Du mich schon ansprechen…

    Anni ist fleißig, macht Zimmer um Zimmer. Ab und an bekomm ich einen Blick von ihr. Sie ist eine erfahrene Fachkraft, erkennt mich mit Sicherheit wieder. Hätte ich sie ansprechen sollen?

    Der Laden ist mittlerweile vergleichsweise gut belebt. Irgendein Völlegefühl spüre ich deshalb aber noch lange nicht. Das Publikum besteht überwiegend aus Herren gesetzten Alters wie mir, man trägt das Embonpoint mit Stolz und Selbstbewusstsein vor sich her. Der Typ mit dem freischwingenden Gemächt scheint den Laden mittlerweile wohl verlassen zu haben.

    Bemerkenswert: Ein Gast in einem 81er T-Shirt. Der Typ lebt gefährlich, denke ich mir eingedenk meines soliden Halbwissens über das Milieu, entweder so oder so. Ich schaue unauffällig, ob ich einschlägige Tätowierungen erspähen kann… keine Chance. Und zu auffällig will ich nun auch nicht glotzen. Außerdem: who cares?

    Es geht zwar auf Mitternacht, aber immer wieder ertönt der bewusste Big-Ben-Gong, und eine der Grazien springt auf…

    Und wieder der Gong. Maya flitzt los, kommt bald zurück, geht zu Denisa. Die beiden wechseln ein paar Worte. Denisa geht zum Tresen, klemmt sich zwischen Tresen und Tür, begrüßt recht bald einen Gast, der wohl gerade angekommen sein muss. Vermutlich ein Stammgast von ihr… sie flitzt los, holt Täschchen und Handtuch…

    Eine halbe Stunde später ist sie zurück.

    Uhrenvergleich: zehn nach zwölf.

    Angriff.

    *** *** *** *** ***
     
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  3. Elskhuga

    Elskhuga Präfect

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    *** *** *** *** ***

    Denisa strahlt mich an, als ich mich zu ihr hocke.
    „Wie läuft das Geschäft?“

    Sie zuckt mit den Schultern. Da wären jetzt genug Gäste, aber sie wäre so müde… und sie hätte gehört, dass heute bis vier Uhr morgens geöffnet sein würde, wenn die Gäste das wollten…
    „Sitzt Du bequem?“

    Ich nicke, sie schüttelt den Kopf.
    „Nein. Warte.“

    Sie lädt mich mit einer Handbewegung ein, es mir bequem zu machen, legt mir im Anschluß ihre Beine über den Schoß.
    „Besser?“
    „Nein. Hervorragend.“

    Sie lächelt matt. Wir machen Smalltalk. Sie will unbedingt wissen, mit wem ich auf Zimmer war… mit Evelyn doch nicht? Nein? Mit welcher Kollegin dann?

    Und dann…
    „Ich kann nicht arbeiten. Ich bin so müde, ich muss eine halbe Stunde schlafen… aber wenn der Chef das sieht, bekomme ich Ärger.“

    Pause. Sie flüstert mir ins Ohr.
    „Nimmst Du mich aufs Zimmer? Kann ich eine halbe Stunde schlafen mit Dir?“

    Noch ein Blitzschlag. ich bin sicher, die Hexen kichern gerade höhnisch auf ihren Besen auf dem Hexentanzplatz…

    Wir sammeln die Siebensachen zusammen, noch einmal drängt sie sich an mich.
    „Ich bin so müde. Ich lege mich nachher hin, wenn Fußball ist. Von sechs bis acht, richtig?“
    „Ich möchte gern noch einmal mit Dir auf Zimmer. Nach acht ist mir aber zu spät. Ich muss morgen arbeiten. Wenn es so spät wird, fahre ich nach Hause.“

    Noch einmal mit mir auf Zimmer, das bedeutet leicht verdientes Geld mit einem angenehmen Gast. Einem Freund, vielleicht. Geld, für das sie nicht einmal Aquise machen muss. Ich hab mich ihr ja quasi auf dem Silbertablett serviert. Sie überlegt.
    „Dann… Wir gehen hier in ein anderes Zimmer und schlafen da. Möchtest Du? Keiner kommt hinein, glaub mir.“

    Hallo?
    „Du, ich bezahl Dich nicht fürs schlafen.“
    „Kein Geld. Nur schlafen.“

    Verlockend. Vor zwei Stunden hätte ich „Ja.“ gesagt. Ich hätte nicht nachgedacht.

    Verlockend. Und ich weiß: Nach diesem „Wir sind wie Freunde.“ geh ich sehenden Auges ins Feuer. Sie denkt sich nichts dabei, mal davon abgesehen, dass sie mich als Alibi für ihre Pause benutzt. Fragt sie jemand, kann sie immer sagen, es wäre bezahlte Zeit gewesen. Sie denkt da schlicht praktisch und verbindet das Angenehme mit dem Nützlichen. Ich allerdings denke mal wieder zu viel.

    Sie flüstert weiter.
    „Du bezahlst das nicht. Ich will nur schlafen.“

    Verlockend. Und ich sag ohne Nachzudenken: Ja.

    *** *** *** *** ***

    Dusche und Zahnpflege sind Pflicht. Ich krame mir gerade was im Spind, da höre ich ihre Stimme hinter mir.
    „Wie geht’s Dir?“

    Bin ich gemeint? Ich dreh mich um. Ja, bin ich wohl.
    „Mir gehts gut, Danke.“
    „Nein, Dir geht’s nicht gut.“

    Häh? Sie kommt nahe heran, spricht leise und schnell.
    „Das sind Freunde vom Chef gekommen, und ich soll mit einem von denen ficken.“

    Es macht *klick*. Das 81er T-Shirt… Tja. Dumm gelaufen, dagegen kann ich nicht anstinken.
    „Was kommt, das kommt. Kein Problem.“
    „Wartest Du auf mich?“

    Hm. Ich schau auf die Uhr: halb eins. Wenn sie auf Zimmer dann tatsächlich pennen will, werd ich wohl kaum erwarten dürfen, dass sie mich dann bis Ladenschluss noch bedient.

    Andererseits… Ich mag sie. Wie sagt Fatima gern: Du bist ein guter Mensch. Zu gut für diesen Puff, das gilt wohl auch hier.
    „Wie lange?“
    „Zwanzig Minuten.“

    Sie tritt einen Schritt zurück, grinst, spricht jetzt wieder lauter.
    „Zwanzig Minuten, nicht mehr. Ich weiß, was ich kann.“

    Ich glaub Dir aufs Wort. Ich weiß, was Du kannst.

    *** *** *** *** ***

    Ein letztes Glas Wasser lasse ich mir geben, mein Lieblingsplatz ist frei, ich mach es mir noch einmal gemütlich.

    Ich seh Denisa nach links schlendern. Dort hockt in der Tat jetzt ein Grüppchen von Kollegen: die Freunde-Runde. Keine Ahnung, ob der Typ mit dem T-Shirt dabei ist.

    Keine fünf Minuten später krabbelt Denisa über das Hochbett in meine Richtung. Ihre kleinen Tittchen hängen und wippen so süß…
    „Was ist?“
    „Komm, wir gehen.“
    „Sicher?“
    „Ja. Er hat gesagt, ich soll ihn nicht anfassen… da bin ich gegangen.
    „Okay…“
    „Wenn er nicht will, dann muss ich nicht.“

    Na, hoffentlich gibt das keinen Ärger… Dass ich im Artemis einfach so an die Luft gesetzt werde, kann ich mir eher nicht vorstellen, ich dürfte da einen ganz akzeptablen Leumund haben. Hier aber…

    Passenderweise fällt mir ein, dass mein Auto zu allem Überfluss auch noch direkt vor der Tür steht. Dumm gelaufen… aber in der Falle hänge ich jetzt fest.
    „Wenn das so ist, dann ist das so.“

    Ich quäle mich hoch, ein letztes Mal, rücke den Hessendress zurecht. Denisa ist derweil mit der Tresenpüppi in einen Disput verwickelt, die Püppi zeigt in Richtung der Freunde-Runde, Denisa schüttelt den Kopf. In angemessener Entfernung bleib ich stehen.

    Denisa sieht mich, winkt mich heran.
    „Komm!“

    Sie greift nach meiner Hand wie Avril es so gern macht. Sie macht das ganz bewusst in dieser Situation, denke ich mir… vorhin hatte sie meine Hand nicht gehalten. Egal…

    Ihr Lieblingszimmer ist frei. Ihr Schlafzimmer.

    *** *** *** *** ***

    Hastig legt sie ihre Nuttentreter ab, schließt die Tür zu, macht das Bett zurecht.
    „Du weckst mich nach einer halben Stunde? Du schwörst?“
    „Ich… vielleicht schlafe ich auch ein.“

    Sie nickt, kramt nach ihrem Handy, fummelt nervös eine Weckzeit ins System. Sie ist ziemlich durch den Wind, stelle ich fest… Ich halte ihr meine Uhr hin.
    „Zehn vor eins, schau…“

    Endlich ist sie fertig.
    „Komm zu mir. Bitte.“

    Ich greife nach ein paar Laken, decke sie mit zweien zu. Sie knurrt.
    „Nein.“

    Denisa zerrt an mir.
    „Komm zu mir!“

    Mit dieser leisen, rauhen, irgendwie heiseren Stimme bringt sie mich um den Verstand. Ich werf ein weiteres Laken über meinen Alabasterkörper, leg mich zu ihr, sie schmiegt sich an mich.
    „Eine halbe Stunde, okay.“

    Schnell atmet sie tief und gleichmäßig. Ich spür ihren warmen Körper, die Wärme macht mich jetzt auch träge, und sacht sickert Müdigkeit in mich hinein. Ich spür, wie ihre Arme zucken… sie träumt schon…

    Sie sucht auch im Schlaf meine Nähe. Ich wünsche mir, dass sie das tut, weil sie mich mag. Ich weiß, dass sie es tut, weil sie auch in dieser Situation Profi ist und bleibt. Auf eine sehr, sehr angenehme Art.

    *** *** *** *** ***

    Ich schrecke hoch. Musik… ich brauche Sekunden, um zu begreifen, dass das ihr Handy ist. Die Weckzeit! Ich streichele sie vorsichtig, sie zeigt keine Reaktion.
    „Ich hab geschworen, Dich zu wecken…“
    „Zehn Minuten noch.“
    „Du bist sicher.“

    Sie dreht sich abrupt auf die Seite, knurrt. Ja, sie ist sicher.

    Nach zehn Minuten das gleiche Spiel. Mittlerweile ist es halb zwei durch. Ich höre nicht auf, sie zu berühren… irgendwann muss sie nachgeben. Keine Tiefschlafphase dauert ewig. Berührungen im Gesicht mag sie gar nicht, stelle ich fest… das nutze ich aus, um sie munter zu bekommen.
    „Noch zehn Minuten.“
    „Hey… ich kann nicht bis Feierabend hier bei Dir bleiben.“

    Keine Reaktion. Und dann kommt sie langsam, ganz langsam zurück die Welt. Sie schaltet ihr Lächeln ein.
    „Danke!“

    Sie nimmt mein Gesicht in beide Hände und gibt mir einen Kuss.
    „Vielen Dank.“
    „Gern.“
    „Hast Du auch geschlafen?“
    „Ein bisschen. Bis der Wecker geklingelt hat.“

    Denisa schaut auf die Uhr, erschrickt.
    „So spät schon…“

    Ich grinse. Noch zehn Minuten und noch zehn…
    „Ja, schon so spät.“
    „Dann gehen wir jetzt.“

    Ich raffe die Laken zusammen, das ist ein beachtlicher Stapel, den wir dann in den Korb auf dem Flur stopfen. Wir gehen bis zur Umkleide, ich probiere schon in Höhe des Massageraums abzubiegen und knalle prompt gegen die Glastür. Sie gackert los.
    „Auch mein Tag war lang.“

    Noch ein Küsschen…

    *** *** *** *** ***

    "Ist das in Ordnung so für Dich?"
    "Ja."

    Ich drehe ab zum Spind, erwarte, dass sie mir wenigstens pro forma folgt, doch damit lieg ich daneben. Auch sie dreht ab, besser: sie verschwindet in der Damenumkleide. Etwas verloren steh ich herum, verfolge noch die Abschiedsszene einer Moldawierin, perfekt russisch mit ihrem Gast parlierend. Bisschen was versteh ich, aber das ist mir grad egal... kommt sie noch mal raus?

    Verlegen trampel ich von einem Bein aufs andere... nein, sie kommt nicht zurück.

    Schade. Aber vielleicht seh ich sie ja doch mal wieder: Irgendwie, irgendwo, irgendwann. Denisa, meine Hexe aus der Erfurter Walpurgisnacht.

    *** *** *** *** ***

    Ich linse fix in die Bar. Ein paar Typen im Zivil stehen am Tresen. Die Freunde vom Chef? Warten die, dass ich aufbreche?

    Zügig schlüpfe ich mich in mein Zivil, werfe die Utensilien in meinen Buko. Ab zur Pforte.
    „Feierabend. Bis die…“

    Der Typ hinter der Luke schaut mich an.
    „Nein.“

    Und nun läuft es mir doch eiskalt den Rücken herunter.
    „Nein, Du musst mir Deinen Schlüssel geben.“

    Verfluchte Hacke… der steckt noch im Spind. Na, das lässt sich regeln. Ich drehe um, hole das Teil…
    „Alles in Ordnung.“
    „Ja. Komm gut heim, bis zum nächsten Mal.“

    Das klang jetzt völlig normal, und angesehen hat er mich dabei auch. Ich muss mir daher wohl doch keine Sorgen machen…

    Draußen schau ich zur Sicherheit nochmal nach den Reifen: alles schick, alles prall. Auf gehts…

    Wenn tatsächlich jetzt noch Hexen auf ihren Besen durch die Walpurgisnacht flitzen sollten, so sehe ich sie nicht, denn es regnet in Strömen. Und es ist Mai.

    *** *** *** *** ***
    Auch jetzt, fünf Jahre später, ist Mai. Draußen wütet Corona, doch ich hab mein kleines Archiv und kann mich erinnern an das, was einst war. Ich kann Euch nicht an allem teilhaben lassen, was einst war, doch an diesem Abend schon.

    Nehmt diesen kleinen Text als Erinnerung an die Gute Alte Zeit. Und verliert die Hoffnung nicht, denn eine neue Zeit wird kommen, und wir werden uns auch in dieser einrichten, Huren und Freier.

    Ich freu mich drauf.
     
    Zuletzt bearbeitet: 1. Mai 2020
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  4. verweser

    verweser Volkstribun

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    Wäre doch auch ein Beitrag der es wert ist im Lesebuch gewürdigt zu werden.

    Gr VW, ich liebe ja solche anschaulichen Nachberichterstattungen.:)
     
    moravia gefällt das.

Sextreffen-sofort

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